Mein bescheidenes Erstlingswerk: Nippon im Karton

Bereich zur Vorstellung von Dioramen oder sonstigen modellbauerischer "Stillleben".

Gewünscht sind insbesondere Fotos (bitte Größenbeschränkungen beachten!) und vllt. die Geschichte des Dioramas.

Bitte startet in diesem Bereich für jedes Diorama einen eigenen Thread!
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Metropol-Express
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Mein bescheidenes Erstlingswerk: Nippon im Karton

#1

Beitrag von Metropol-Express » Do 11. Okt 2018, 14:12

Ein freudiges "Konnichiwa!" in die große Runde!

Nachdem ich hier schon seit einigen Jahren stumm mitlese und gespannt die Kunst - es sind wahre Künstler! - von vielen verfolge, möchte ich mich selber erstmals zu Wort melden.

Kurz zu mir:
Eigentlich bin ich eher in der Spur H0 unterwegs und fahre seit meiner Kindheit mit Piko und Roco irgendwo in deutschen Gefilden herum. Hier ist auch eine richtige Anlage im frühen Anfangsstudium, die ich bei anderer Gelegenheit vorstellen möchte. Mein Erstlingswerk geht - wie der Titel schon verrät - in eine gänzlich andere Richtung und ist sowohl vom Platz als auch vom bastlerischen Aufwand her noch sehr bescheiden. Aber: irgendwo muss man ja anfangen und erste Erfahrungen sammeln.

Zur Entstehungsgeschichte:
Meine reizende Gattin (gewiss, wir sind noch nicht verheiratet, aber ich benutze den Ausdruck in alter Loriot-Manier sehr gerne) ist sehr begeistert von der japanischen Kultur und hatte auch schon die Ehre, dieses hochspannende Land in natura zu erleben. Leider gestattet die Buchhaltungsabteilung eines jungen Studentenpaares momentan keinerlei Exkursionen dieser Art. Doch mit jedem Tag wächst natürlich das Fernweh.

Um meiner Gattin etwas Ablenkung und Mut vor den bevorstehenden Prüfungen zu spendieren, entschied ich mich dazu, ein kleines japanisches Diorama zu basteln. Der Tatendrang wurde natürlich durch die ein oder andere Inspiration hier im Forum befeuert. Meine Erfahrungen mit der asiatischen Kultur beschränken sich zu meinem Bedauern auf "Einmal M16 und ein großes Tsingtao, bitte.", aber auch ich bin vor allem von der Architektur dieses Kulturraums fasziniert. Ebenso war ich schnell von der Vielfalt und den Preisen der Bausätze begeistert. Dass ich dafür H0 verlassen und in in Japan übliche Maßstäbe wechseln musste, war mir ganz recht, weil das kleine Diorama auch nicht zu viel Platz im Heim meiner Gattin einnehmen durfte (jawohl, wir leben momentan noch separat).

Während ich anfangs noch überlegte, auch ein kleines Gleis zu integrieren, eventuell mit einer Straßenbahn (meine Gattin und ich schätzen das Reisen auf urbanen Gleisen sehr und vermissen es in unserer Heimatstadt enorm), ist dieses Gleis im Laufe des Prozesses leider weggefallen. Zum einen musste ich die Kosten etwas deckeln und zum anderen konnte ich auf die Schnelle kein japanisches Modell finden, das mich komplett überzeugen konnte (oder eben in meiner Preisklasse war).

Als Bastelgrundlage diente ein simpler Geschenkekarton. Dieser lässt einerseits das schnelle Verstauen des kleinen Japans zu und hat andererseits symbolischen Charakter: Einige Monate zuvor erhielt ich in eben diesem Karton einige Aufmerksamkeiten von meiner Gattin. Nun sollte der gleiche Karton mit neuem Inhalt als Dankeschön zurückgehen.

Aber nun möchte ich Bilder sprechen lassen:

Dies ist der kleine Karton, in etwa so groß wie ein DINA4-Blatt vielleicht:

Bildfullsizeoutput_5f4 by Lauretanien, auf Flickr

Es erfolgte eine erste Probeaufstellung der günstig erworbenen Bausätze, wobei "Bausätze" hier vielleicht das falsche Wort ist, viel zu bauen ist an diesen Häuschen ja nicht mehr, aber ich bin zugegebenermaßen wirklich begeistert von dem Detailierungsgrad, erst recht in Spur N!

BildIMG_2336 by Lauretanien, auf Flickr

Und so sieht das ganze im fertigen Karton aus. Der Deckel ist so konzipiert, dass er beim Aufklappen in den Boden gestellt wird und als Hintergrundkulisse dient:

Bildfullsizeoutput_5f5 by Lauretanien, auf Flickr

Und da kommen wir auch schon zu den Mängeln dieses Dioramas, die mich persönlich sehr stören. Das eingeklebte Bild im Deckel ist zwar für sich sehr schön und der Fuji ist natürlich legendär, aber es mag nicht ganz zum Rest passen. Insbesondere die Farbe der Blättertracht...

BildIMG_2410 by Lauretanien, auf Flickr

Viel selbstgebaut ist an diesem Diorama leider noch nicht. Die Häuser samt Ausschmückung, die Figuren mit dem kleinen Verkaufswagen, die Mauer, den Bus und die beiden Bäume habe ich im Internet bestellt. Einzig der Weg in den Park wurde mit Diebesgut aus dem nachbarlichen Sandkasten angelegt und das Torii ("Dat rote Törchen für den Japankitsch!") habe ich aus Zahnstochern und Streichhölzern gebastelt:

BildIMG_2455 by Lauretanien, auf Flickr

Außerdem habe ich mich erstmals im Begrünen versucht:

BildIMG_2444 by Lauretanien, auf Flickr

Ein Blick hinter die Häuserzeile - Hier sieht man, dass ich mit mehreren Pappeschichten das ganze noch etwas aufgestockt habe, damit es einen "nahtlosen" Übergang gibt, wenn der Deckel als Hintergrundkulissen eingesetzt wird:

BildIMG_2435 by Lauretanien, auf Flickr

Kleine Details, die alle zu meiner Freude den Bausätzen bereits beilagen:

BildIMG_2463 by Lauretanien, auf Flickr

Und zuletzt noch eine Übersicht über die ganze Szenerie:

BildIMG_2467 by Lauretanien, auf Flickr


Wie man sieht: es gibt noch einiges, was ich gerne ändern würde. Dazu gehören:
  • Ein anderes Bild für den Hintergrund finden und auch die Seitenwände damit bekleben
  • Mehr Leben in das Diorama bringen, durch Figuren, eventuell Autos und Beleuchtung
  • Verbreiterung des Bürgersteigs und eventuell Aufbringen von Straßenmarkierungen
  • Verlängerung der Mauer in den Hintergrund hinein
  • Ausgestaltung des Hinterhofes (vielleicht doch noch ein Gleis samt Bahnübergang?)
  • Gestaltung des Deckels, damit das ganze im geschlossenen Zustand nicht so trostlos aussieht

Leider war der ganze Bastelprozess von Zeitdruck geprägt, kam mir die Idee doch recht spät und bis zu einem gewissen Termin sollte alles halbwegs fertig sein. Eine kleine Veränderung habe ich in letzter Minute vor dem Verschenken noch eingefügt: eine der Ladenflächen wurde zu einem "7-Eleven" umgelabelt. Eine - wie ich mir habe sagen lassen - sehr prägend in Erinnerung gebliebene Institution in Japan.

Das Diorama steht nun im Heim meiner Gattin, ich bekomme es daher leider im Moment kaum zu sehen und kann auch nichts daran verändern. Aber sobald ich wieder Gelegenheit dazu habe, werde ich sicher noch ein paar Änderungen vornehmen und hier vorstellen.

Fazit: Was soll ich sagen? Das Diorama erfüllte nicht ganz seinen Zweck. Nach Aussage der beschenkten junge Dame, sei das Fernweh jetzt noch viel schlimmer. Aber die Freude war trotzdem groß. Das kleine Nippon im Karton muss sich lediglich vor der heimischen Katze fürchten. Aber das geht dank des Deckels ja recht einfach. Und wer weiß: Vielleicht zieht es eines Tages in einen größeren Karton um und erhält eine richtige Nachbarschaft, dann auch mit Schienenstrang.

Ich bin schon sehr gespannt auf Eure Meinungen und Anregungen zu weiteren Verbesserungen! Und nochmals: ich bewundere die enormen Talente, die sich hier im Forum finden lassen!

Beste Grüße aus Nippon im Karton,
Laurenz
Ich weiß, wo mein Platz in der Gesellschaft ist. Im ungarischen Speisewagen ganz hinten links, wo man Mensch und Landschaft am genüsslichsten studieren kann.

Mein bescheidenes Erstlingswerk:
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Otaku
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Re: Mein bescheidenes Erstlingswerk: Nippon im Karton

#2

Beitrag von Otaku » Fr 12. Okt 2018, 12:28

Hallo Laurenz, ein schönes kleines Stückchen Nippon.
Das Hintergrundbild finde ich schön, auch sonst ist das doch ganz gut gelungen. Die typischen Supermarktketten sind eigentlich eher selten in so traditionellen Häusern untergebracht, aber irgendwo gibt es das bestimmt auch. Zu jedem Modell findet sich irgendwo ein Vorbild :lol:

Klar, verbessern, ausschmücken und so weiter kann man immer was... Oder du fängst einfach an, eine ganze Nippon-Modellbahn zu planen .... 8)


:gfm:
Gruß, Sebastian

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Re: Mein bescheidenes Erstlingswerk: Nippon im Karton

#3

Beitrag von Müesliman » Fr 12. Okt 2018, 13:27

Hallo Laurenz.

Ich finde die Idee mit der Kiste und der Verwendung des Deckels als Erweiterung und Hintergrund gut. Man kann die Kiste verschlossen lagern und zuweilen hervorholen, kurz aufbauen und beim Bestaunen an den Erbauer denken ...

Gruss Müesliman
Ich grüsse euch alle herzlich, ziehe es aber vor, meine Beiträge nicht mit meinem realen Namen zu unterschreiben, um anonym zu bleiben. Trotzdem bin ich eine reale Person ohne unlautere Absichten. Mit der Bitte um Verständnis, Müesliman

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Re: Mein bescheidenes Erstlingswerk: Nippon im Karton

#4

Beitrag von Recycle » Fr 12. Okt 2018, 17:32

Ich dachte ja erst an eine rautenförmige Süßigkeit. Aber ... Also mir gefällt's :gfm:


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Re: Mein bescheidenes Erstlingswerk: Nippon im Karton

#5

Beitrag von Analogbahner » Fr 12. Okt 2018, 19:03

Gefällt mir gut. An Straßenmarkierungen habe ich auch sofort gedacht. Und an die Millionen von Stromkabeln, die da rumhängen... ;)
Gruß
Jochen (aka Analogbahner)

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Re: Mein bescheidenes Erstlingswerk: Nippon im Karton

#6

Beitrag von Metropol-Express » Di 23. Okt 2018, 12:44

Vielen Dank für Euer Lob und Eure Kommentare! Mit so viel Resonanz habe ich ehrlich gesagt nicht gerechnet! Das spornt an, sich den Karton noch einmal vorzuknöpfen.
Otaku hat geschrieben:
Fr 12. Okt 2018, 12:28
Das Hintergrundbild finde ich schön, auch sonst ist das doch ganz gut gelungen. Die typischen Supermarktketten sind eigentlich eher selten in so traditionellen Häusern untergebracht, aber irgendwo gibt es das bestimmt auch. Zu jedem Modell findet sich irgendwo ein Vorbild :lol:

Klar, verbessern, ausschmücken und so weiter kann man immer was... Oder du fängst einfach an, eine ganze Nippon-Modellbahn zu planen .... 8)
Ich habe mir auch nochmal Bilder im Internet angeschaut und muss sagen, dass ich das Hintergrundbild gar nicht mehr so unpassend finde. Beim Anbringen des 7-Eleven-Schildes hatte ich zugegebenermaßen auch etwas Bauchschmerzen und habe vergebens nach Vorbildbildern in der Art gesucht, dachte mir dann aber, dass diese Filiale in größere Räumlichkeiten wechseln kann, sobald die Nachbarschaft gewachsen ist: denn ich glaube (finanziell fürchte ich es...), dass in der ersten gemeinsamen Wohnung Nippon über die Kartongrenzen hinauswachsen könnte. Die Häuser sind deshalb auch nicht befestigt, sondern könnten jederzeit ihren Standort ändern.
Müesliman hat geschrieben:
Fr 12. Okt 2018, 13:27
Ich finde die Idee mit der Kiste und der Verwendung des Deckels als Erweiterung und Hintergrund gut. Man kann die Kiste verschlossen lagern und zuweilen hervorholen, kurz aufbauen und beim Bestaunen an den Erbauer denken ...
Dankesehr! Das erweist sich auch wirklich als praktisch, habe ich mir sagen lassen. Ich werde dieses Prinzip bestimmt noch mal bei anderer Gelegenheit verwenden.
Recycle hat geschrieben:
Fr 12. Okt 2018, 17:32
Ich dachte ja erst an eine rautenförmige Süßigkeit. Aber ... Also mir gefällt's :gfm:
In der Tat, die Verwechslungsgefahr mit dem allseits bekannten Puffreisprodukt ist groß. Aber: da kommt mir eine Idee! Vielen Dank für die Inspiration!
Analogbahner hat geschrieben:
Fr 12. Okt 2018, 19:03
Gefällt mir gut. An Straßenmarkierungen habe ich auch sofort gedacht. Und an die Millionen von Stromkabeln, die da rumhängen... ;)
Straßenmarkierungen werde ich auf jeden Fall noch vornehmen, Stromkabel sind für das authentische Straßenbild natürlich verlockend, aber gerade mit dem abnehmbaren Deckel wird das vielleicht zu fragil. Aber ich denke drüber nach!

Viele Grüße aus dem Karton!
Ich weiß, wo mein Platz in der Gesellschaft ist. Im ungarischen Speisewagen ganz hinten links, wo man Mensch und Landschaft am genüsslichsten studieren kann.

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