Österreich 1955 - Die Görtschitztalbahn

Bereich zur Vorstellung der eigenen Modellbahnanlage.

Gewünscht sind insbesondere Fotos, technische Daten, Gleispläne und evtl. auch Berichte über die Entstehung. Die Anlage sollte in einem "vorzeigbaren Zustand" sein, für reine Rohbauberichte ist das Forum "Anlagenbau".

Bitte startet in diesem Bereich für jede Anlage einen eigenen Thread!
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Reifen im Gepäckwagen

#2451

Beitrag von notbremse » Fr 28. Dez 2018, 14:42

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Der Fluch der Akribik, Teil 256

EIN CHRISTKIND NAMENS OLIVER



Ich habe kürzlich das Christkind gesehen.

Es hat meine Spantenwagen ganz genau betrachtet, hat bedächtig mit dem Kopf genickt, und schließlich hat es gesagt, ich darf mir eine garantiert flackerfreie Beleuchtung für kurze zweiachsige Wagen wünschen, die nicht vom Gleis her, sondern drahtlos von außen mit Strom versorgt wird.

Wie das Christkind denn aussieht?

Nun, ich kann euch berichten, die Texter von „Stille Nacht“ haben eine Beschreibung abgegeben, die der Realität nur sehr ungefähr entspricht. Von wegen „holder Knabe im lockigen Haar“. Das Christkind ist schon ein wenig in die Jahre gekommen und erinnerte eher ein bisschen an George Clooney mit silbergrauem Bart, nur dass es keinen Kaffee trank, sondern Tee. Es heißt übrigens Oliver, hat es gesagt.

Also habe ich Oliver eine Weihnachtswunschliste geschickt und er hat gesagt, ja, das müsste klappen. Ich muss mich nur noch ein bisschen gedulden.

Jetzt schaue ich jeden Abend unter dem Christbaum nach, ob schon etwas darunterliegt. Schlimmstenfalls muss ich den Christbaum heuer halt bis März oder April stehen lassen. Aber da wir alle aus dem grandiosen Baumbau-Thread hier im Stummiforum wissen, wie man Nadeln an Bäume klebt, wird das ganz bestimmt kein großes Problem sein.


:fool:

-------

Zwischenzeitlich arbeite ich an dem württembergischen Gepäckwagen weiter, den es im Krieg in die damalige „Ostmark“ verschlagen hatte.

Zunächst braucht es nicht nur Kinderwagen, sondern auch andere Gepäckstücke. Denn diese Gattung hieß ja nicht Leerwagen, Türzuwagen oder Plastikklumpenwagen, sondern Gepäckwagen. Da muss auch richtiges Gepäck rein, denn im Hochsommer standen bei diesen Wagen die Laderaumtüren fast immer offen, sodass man das Gepäck auch sehen konnte.

Ich beginne mit der Bemalung einiger Preiser-Teile mit matten erdfarbenen und beigen Farbtönen:

Bild


Das Foto zeigt den zweiten von mehreren dünnen Farbaufträgen. Damit die Winzlinge während dieser Prozedur stillhalten, klebe ich sie einfach mit doppelseitigem Klebeband auf flache Rührstäbchen.

Eine Ladung Reifen soll auch mitfahren. Aber wie färbt man Reifen glaubhaft?

Auf die Frage nach der Farbe von Reifen kommt nämlich interessanterweise fast immer – wie aus der Pistole geschossen – die Antwort „Schwarz!“.

Nun, das ist ein bisschen so, wie dass der Himmel auf Kinderzeichnungen blau ist, das Dach rot, das Gras grün und die Sonne gelb. Kann stimmen, muss es aber nicht. Dächer können grün sein, der Himmel grau, das Gras weiß vom Frost und die Sonne blutrot.

Der nachstehende Bildausschnitt zeigt einen restaurierten Saurer-Bus von 1955.

Bild


Die Felge und der Kotflügel sind bei diesem Fahrzeug schwarz lackiert, erscheinen aber auf Grund von Spiegelungen nicht schwarz. Wirklich schwarz hingegen ist beispielsweise der im Schatten liegende Innenteil des Kotflügels.

Wenn wir außer Streit stellen können, dass der Kotflügel innen einigermaßen schwarz ist, dann stellt sich die Frage, was für eine Farbe der Reifen hat. Der Reifen kann dann ja keinesfalls schwarz sein, er sieht ja eindeutig ganz anders aus. Er hebt sich ja vom Schwarz der Kotflügel-Innenseite deutlich ab – sowohl hinsichtlich der Farbe als auch der Helligkeit.

Ich öffne das Bild mit Photoshop und ziehe den „Color Picker“ zu Rate:

Bild


Der zeigt eindeutig ein überraschend helles Braun…

Nun, da ich der deutlichen Demonstration wegen ein besonders kontrastreiches Foto ausgesucht habe und der Saurer-Bus in der grellen, tiefstehenden Nachmittagssonne aufgenommen wurde, darf die Farbe meiner Reifen ein wenig dunkler sein. Aber nicht schwarz, sondern braun:

Bild


Phantastisch, wie schwarz diese eindeutig braunen Reifen vor dem weißen Hintergrund aussehen...

Womit ich einmal öfter gesagt haben will, dass akribischer Modellbau nichts Geniales ist, sondern eher eine Art Schule des Sehens.

Nächste Woche sehen wir unter dem Christbaum nach, ob die Wagenbeleuchtung schon da ist. Wenn nicht, machen wir mit der Ladung für den Gepäckwagen weiter.


An dieser Stelle vielen Dank an Chris, Hubert, Reinout und Leo für ihre Kommentare, aber auch an alle anderen für ihre Besuche. - Euch allen wünsche ich alles Gute, viel Glück und vor allem Gesundheit im neuen Jahr!

Liebe Grüße

Euer Karl

Anmerkung: Der Steyr hat sich beschwert und nachgewiesen, dass er kein Steyr ist, sondern ein Saurer. Also hat Tante Edit das ausgebessert.... :-)
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Re: Reifen im Gepäckwagen

#2452

Beitrag von hubedi » Fr 28. Dez 2018, 20:24

Hallo Karl,
völlig neue Erkenntnisse ... ich hatte mir das Christkind anders vorgestellt. Außerdem war bislang noch nichts über die elektronischen Kenntnisse himmlischer Wesen bekannt geworden ... :D
notbremse hat geschrieben:
Fr 28. Dez 2018, 14:42
... Womit ich einmal öfter gesagt haben will, dass akribischer Modellbau nichts Geniales ist, sondern eher eine Art Schule des Sehens. ...
Hm ... ist dieses Schauen und das damit verbundene Erkennen von Zusammenhängen nicht genau das Merkmal von Genialität?

LG
Hubert
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Re: Österreich 1955 - Die Görtschitztalbahn

#2453

Beitrag von notbremse » Sa 29. Dez 2018, 11:12

Hm ... ist dieses Schauen und das damit verbundene Erkennen von Zusammenhängen nicht genau das Merkmal von Genialität?
Ja natürlich, lieber Hubert, aber erzähl's nicht weiter, ich bin inkognito hier!

:fool: :fool: :fool:

Spaß beiseite: wenn man's weiß, kann man's bewusst anwenden. Wenn man will und wenn's einem wichtig ist.

Liebe Grüße

Karl

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Gepäck für den Gepäckwagen

#2454

Beitrag von notbremse » Fr 4. Jan 2019, 14:00

.

Der Fluch der Akribik, Teil 257

KLEIN GEPÄCK IST GROSS GEMACH



Zunächst ein kurzer Blick unter den Christbaum: kein Päckchen vom Christkind, keine Platine von Oliver. Nur der Christbaum ist beleuchtet. Meine Waggons müssen noch warten, bis sie innen weihnachtlich hell erstrahlen.


Ich beschließe, in der Zwischenzeit ein paar Koffer für den Gepäckwagen fertigzustellen.

Damit die Bagage nicht wie braun lackierte Plastikblöcke aussieht, kann man sie ein wenig verfeinern. Ich beschließe, wenigstens typische Kofferschlösser anzudeuten. Dazu bemühe ich wieder einmal den guten alten Paketband-Trick. Paketband auf ein sauberes Stück Glas aufkleben und „silbern“ färben:

Bild


Normalerweise nehme ich hierfür die Airbrush. Für meine Kofferschlösser hingegen darf der Farbauftrag ein wenig fleckig sein, ich nehme hier den Pinsel. Nach dem Trocknen – am besten am nächsten Tag - lassen sich mit einem Cutter und einem Stahllineal winzigste Streifen abschneiden und mit der Cutter-Spitze abheben. Alternativ dazu kann man übrigens auch Reste von Decals bemalen und nach dem Trocknen zu winzigsten Schiebebildchen zuschneiden - auf diese Weise habe ich seinerzeit exakt rechteckige Farbflächen auf meinem Kesselwagen angebracht.

Und so sehen die Koffer – in Gesellschaft der beiden Kinderwagen und eines Angeber-Zündhölzchens – nach dieser Behandlung aus:

Bild


Wenn Gepäckstücke verreisen, ist verwechslungssicher dafür zu sorgen, dass sie den richtigen Bestimmungsort und den richtigen Empfänger erreichen. Entsprechende Zettel lassen die Fracht im Maßstab 1:87 auch gleich ein wenig interessanter aussehen, zum Beispiel diese Milchkannen, …

Bild


… die Kinderwagen…

Bild


… und etliche andere Gepäckstücke. Die Zettelchen sind übrigens maximal 2 x 1 Millimeter groß. SMD-Zettel, quasi. Auch hier kam wieder die Paketband-Methode zur Anwendung.

Welches Aussehen und welche Farben die Aufkleber und die mit Schnüren angehängten Zettel damals hatten, konnte ich nicht kurzfristig ermitteln. Ich hatte bislang ausschließlich wenig aussagekräftige Schwarzweißfotos aus dieser Zeit zur Verfügung. Aber ich habe dem Weiß wenigstens eíne Spur Ocker beigegeben, damit es nicht aussieht wie modernes, reinweißes Papier.

Wo die Zettel abstehen sollen, schiebe ich einen winzigen Punkt Superkleber drunter. Vereinzelt löste sich der Acryllack vom Paketband. Ich hätte wohl besser einen Kunstharzlack nehmen sollen. Auch hier hilft Cyanacrylatkleber – ich klebe den entflohenen Lackflecken mit Hilfe des Ölgebers mit winzigsten Kleberpunkten einfach wieder auf das Trägermaterial auf.

Gemeinsam mit ein paar Preiser-Kisten, einem Fass, einem Fahrrad, einem Sack und ein paar Kartons aus Berlin (Kotol) hat sich nun eine ausreichende Menge an Frachtgut für den Gepäckwagen angesammelt:

Bild


Ordnung muss sein. Nächste Woche räumen wir das alles in den Gepäckwagen.

Wenn inzwischen nicht schon ein kleines Paket mit völlig neuartigen Beleuchtungsplatinen unter meinem Christbaum liegt…


Liebe Grüße

Euer Karl


.
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Re: Österreich 1955 - Die Görtschitztalbahn

#2455

Beitrag von chris1042 » Fr 4. Jan 2019, 18:46

Wahnsinn Karl

und jetzt sag noch mal das du kein Perfektionist bist :D :wink:
LG
Chris :D


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Re: Gepäck für den Gepäckwagen

#2456

Beitrag von Rangierleiter » Sa 5. Jan 2019, 19:01

notbremse hat geschrieben:
Fr 4. Jan 2019, 14:00
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Der Fluch der Akribik, Teil 257

Sensationell!

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Re: Österreich 1955 - Die Görtschitztalbahn

#2457

Beitrag von Johannes O'Donnell » Di 8. Jan 2019, 23:20

Der Fluch der Akribik lastet auf seinen Schultern und treibt ihn zu Höchstleistungen an....möge dieser Fluch noch lange auf ihm lasten und uns auch im neuen Jahr viel Sehens- und Bestaunenswertes bescheren!
Viele Neujahrsgrüße nach Österreich!
Johannes
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Re: Reifen im Gepäckwagen

#2458

Beitrag von wildahund » Mi 9. Jan 2019, 07:15

Hallo Karl,

als größtenteils stiller (manche sagen auch fauler) Mitleser wird es wieder einmal Zeit dir meine Bewunderung auszudrücken. Wie immer ist deine Akribie einfach beieindruckend.
notbremse hat geschrieben:
Fr 28. Dez 2018, 14:42
Womit ich einmal öfter gesagt haben will, dass akribischer Modellbau nichts Geniales ist, sondern eher eine Art Schule des Sehens.
Dieser Satz bringt es meiner Meinung nach genau auf den Punkt. Die Gabe des Beobachtens ist die wichtigste Grundlage jedes überzeugenden, vorbildgerechten Modellbaus.

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Re: Österreich 1955 - Die Görtschitztalbahn

#2459

Beitrag von hubedi » Mi 9. Jan 2019, 07:32

Hallo Karl,

da soll mich doch ... nee jetzt ... Schlösser auf den Koffern ... :bigeek:

Eine kleine Kritik habe ich noch. Auf den Zetteln ist trotz maximaler Vergrößerung der Bestimmungsort nicht zu lesen. :fool:

LG
Hubert
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umgebauter Württembergischer Gepäckwagen, Inneneinrichtung

#2460

Beitrag von notbremse » Fr 11. Jan 2019, 17:24

.

Der Fluch der Akribik, Teil 258


CHRISTKIND-VERHÜTUNGS-SPIRALE



Unser „Christbaum“ ist heuer eine jener seltsamen zusammenlegbaren Spiralen, die nicht wirklich Kindheitserinnerungen wecken und Weihnachtsstimmung erzeugen, aber denen man immerhin die Attribute „modern“ und „praktisch“ zurechnen kann:

Bild


Insgeheim habe ich Sorge, dass diese notorisch hochstapelnde und sich in maßloser Selbstüberschätzung für einen Christbaum ausgebende, viel zu steile Beinahe-Gleiswendel das Christkind verschreckt haben könnte. Denn wieder ist genau nix darunter:

Bild

Schon gar nicht die ersehnte revolutionäre kleine Platine für systemunabhängiges, schienenungebundenes, ab-so-lut flackerfreies LED-Licht in zweiachsigen Modellbahnwagen.


Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Ich mache einstweilen mit dem Gepäckwagen weiter.

Inzwischen sind die Laderaumtüren in ihren endgültigen Positionen angeklebt und die Fensterrahmen nochmals neu eingefärbt. Ich habe mich entschlossen, die Fensterrahmen nun doch braun zu lackieren. Ich halte es für wesentlich wahrscheinlicher, dass dieser Wagen mit all seinen Sondermaßen braun gestrichene Holzrahmen hatte, als dass man genormte Aluminiumrahmen verwendete und mühsam anpasste:

Bild


Auch die bei mir obligatorischen Bremsfangschlingen hat der Wagen inzwischen bekommen, wie auf dem Foto oben recht gut zu erkennen.

Nun kann es an die Inneneinrichtung gehen. Während die württembergische Ursprungsversion gut mit Plänen dokumentiert ist, fand ich bisher nichts, was die Lage der Zwischenwände und der Inneneinrichtung bei den ÖBB nach der Entfernung der Zugführerkanzel belegt. Der Wagen muss jedenfalls einen neuen Fußboden bekommen haben und sehr wahrscheinlich hat man die Einrichtung gegen die bei den ÖBB üblichen Standard-„Möbel“ ausgetauscht. Auch das WC dürfte man verlegt haben.

Aber solche Informationsmängel stören mich natürlich nicht im mindesten. Bauen wir halt ein Provisorium as quick and dirty as can be. Motto hin oder her, das muss jetzt einfach so sein. - Quick? Na gut, ein paar Wochen quick halt.

Ich beschließe, lediglich die Zwischenwände zwischen Zugführerabteil und Laderaum sowie jene zur Toilette hin einzufügen und die Türen wegzulassen, von denen der Kuckuck wissen mag, wo genau sie beim Vorbild waren. Die Positionen der Zwischenwände lege ich „nach Gefühl“ willkürlich fest. Auf die Inneneinrichtung des Zugführerabteils verzichte ich diesmal vorläufig.

Innerhalb des Gepäckraumes war mit Hilfe der Gepäckstücke alles wegzutarnen, was das hypersensible Empfinden des im Endstadium an Akribik Erkrankten stören könnte. Insbesondere die klobigen Ballastgewichte, die der tieferen Lage des Wagens geschuldeten Löcher im Boden, und vor allem auch die viel zu dicken Fensterrahmen…

Bild


… waren mit Hilfe der Ladung zu verbergen oder zumindest zu entschärfen:

Bild

Bild


Na also, und schon sieht man all diese Unzulänglichkeiten nicht mehr. Der abschließende Blick durch die Laderaumtür zeigt, dass dafür nicht besonders viel Aufwand nötig war. Es bleiben sogar noch etliche der in der letzten Woche vorbereiteten Gepäckstücke übrig.


Wieder einmal „außen hui – innen pfui“.

Naja, auch ein bisschen „außen pfui“.

Wenn man die letzten beiden Fotos genauer betrachtet und sich nicht von der Ladung ablenken lässt, werden am Wagenkasten Schrammen offenbar, die ich mit all der wochenlangen Spachtelei und Schleiferei einfach nicht in den Griff bekommen habe. Natürlich kann man sich auf ähnliche Schrammen beim Vorbild ausreden. Aber vielleicht baue ich später einmal wirklich einen völlig neuen Wagenkasten, wie von Adrian und Jürgen vorgeschlagen. Das setzt allerdings voraus, dass ich eines Tages Zeichnungen oder zumindest gute Fotos bekomme, die das Aussehen des Inneren des Wagens nach seinem ersten Umbau ausreichend dokumentieren.

Zwischenzeitlich wird das Wägelchen - so wie es ist - in meinen provisorischen Fuhrpark eingereiht, basta. Allfällige Beschwerden werden gerne entgegengenommen, aber ich sag’s euch gleich, auch Beschwerden werden von mir äußerst akribisch behandelt. Die falsche Papierstärke der vom Beschwerdeführer verwendeten PN z.B. ist ein klarer Ablehnungsgrund...

:fool:


Schwerwiegende Bedenken

Die originalen Ballastgewichte fühlten sich recht schwer an, der Wagen hatte zunächst rund 80 Gramm. Ob die neuen filigranen Achslager dieser Masse auf Dauer standhalten? Ich entschloss mich, das zugführerabteilseitige Gewicht zu halbieren. Der Wagen hat nun immer noch rund 65 Gramm. Die Praxis wird zeigen, ob das funktionieren wird.

Abgesehen von der Beleuchtung sind nun noch etliche Kleinigkeiten zu tun: Türgriffe, Türstopper, Zettelkasten, Beschriftung, Personal und ein wenig „Wetterierung“.

------------------------------

@ Chris: Bitte gerne. "Das du kein Perfektionist bist :D :wink:"

Ups. Tschuldigung. Nimm's mir nicht übel. Jetzt ist wieder einmal der Schalk mit mir durchgegangen...

@ Rangierleiter, Johannes, Ben und Hubert: Vielen Dank für eure netten Kommentare!

Bestimmungsort nicht zu lesen? Hmmm, das geht natürlich gaaaar nicht. Da kommen umfangreiche Schreibarbeiten auf die Ameisen zu, wenn sie im Frühjahr wieder auf meinen Balkon kommen...


Liebe Grüße

Euer Karl
Zuletzt geändert von notbremse am Sa 12. Jan 2019, 13:41, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Österreich 1955 - Die Görtschitztalbahn

#2461

Beitrag von 211064 » Fr 11. Jan 2019, 21:46

Hallo Karl,

ich habe mir seit Weihnachten mit allergrößtem Vergnügen deinen Thread zu Gemüte geführt, mit :bigeek: und :lol: . Danke, dass Du uns an deiner
Schule des Sehens
teilhaben lässt und uns in Akribie und den nicht für möglich gehaltenen Möglichkeiten schulst. Oder mich jedenfalls :mad: . Mich motiviert das, auch bei meinen Fahrzeugen (noch) genauer hinzusehen. Ein Opfer habe ich schon auserkoren: In meiner Bastelkiste fliegen noch Reste einer Roco 215 rum (ähem, ich bin Epoche IV-Bahner ...). Der Lokkasten muss erst umlackiert werden - eine gute Gelegenheit, deine Pinselmethode auszuprobieren. Wenn's nix wird, habe ich (hoffentlich) was gelernt - aber nicht allzu viel Geld versenkt. Wenn's aber was wird, dann ist die andere 215 (in rot) auch noch dran und wird endlich wie meine Lieblings-215 (031, eine von 3 mit elektrischer Zugheizung, die in meiner Kindheit und Jugend auf meiner Hausstrecke unterwegs war) zugerüstet.

Deine Wagen, zuletzt der Gepäckwagen, sind schon oberklasse! Allerdings habe ich doch zwei vorsichtige Einwände:

Du träumst von einem
ab-so-lut flackerfreies LED-Licht in zweiachsigen Modellbahnwagen.
(Oh, der Redakteur hat's schwör, grammatisch funzt das jetzt nicht ganz, sorry :roll: ). Was ich schreiben wollte ... Ich bin schon qua Baujahr kein Augenzeuge der Epoche III, habe aber eine Museumsbahn-Vergangenheit (übrigens mit 3 Exil-Österreichern: Spantenwagen, die von einer untergegangenen Museumsbahn in Süddeutschland an den Niederrhein gefunden hatten) und da gehörte das (leichte) Flackern der Innenbeleuchtung in allen Wagen dem Batteriepuffer zum Trotz zum guten Museumsbahn-Ton. Ist also das ab-so-lut flackerfreie LED-Licht überhaupt vorbildgerecht???

Der zweite Einwand betrifft den Zettelhalter, den Du an deinem Gepäckwagen anbringen willst, wie Du heute schreibst. Seit wann haben Gepäckwagen Zettelhalter :bigeek: ? Die waren doch in Personenzug-Umläufe eingebunden, dafür brauchte es aber keine Zettelhalter. Oder wurde das in Österreich anders gehandhabt?

Jetzt lese ich auf S. 69 deines Threads weiter :D .
Viele Grüße
Christoph

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Re: Österreich 1955 - Die Görtschitztalbahn

#2462

Beitrag von Loki01 » Fr 11. Jan 2019, 21:54

Hallo Karl!

Der Wagen sieht klasse aus. Und ehrlich gesagt machen gerade diese kleinen Schrammen und Unsauberkeiten erst den überzeugenden Eindruck. Wirkt auf mich so wie die Spuren des Einsatzes im harten Eisenbahn-Alltag. Paßt für mich. Steiles Teil! :mrgreen:

Viele Grüße,
Erik

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Re: Österreich 1955 - Die Görtschitztalbahn

#2463

Beitrag von notbremse » Sa 12. Jan 2019, 00:14

@ Christoph: Viel Spaß beim Altern deiner 215er. Probier' deine Farben und die mit ihnen möglichen Effekte aber auf jeden Fall zuerst auf irgendwelchen Plastikresten oder auf billigen Waggons aus, bevor du auf deine Loks losgehst, denn manche Farben verändern ihr Aussehen beim Trocknen gewaltig. -

Gute Idee, die Sache mit dem Flackern. Was Olivers Platine zunächst können wird: das Licht in den Wagen brennt immer, egal ob der Zug eine halbe Stunde lang auf einem stromlosen Gleis steht, ob auf der Anlage gerade ein Kurzschluss herrscht oder ob der Zug über eine verschmutzte Weichenstraße ruckelt. Aber wir sollten später vielleicht für historische Wagen ein gleichmäßiges Flackern einbauen. Mal sehen, was das Christkind dazu sagt.

Die für einen Pwi recht kuriosen Zettelhalter gab's bei diesem Wagen im Spätsommer 1955 tatsächlich noch. 1956 waren sie dann weg. Vielleicht war 1955 der endgültige Einsatzzweck dieses vormaligen Pwg noch nicht festgelegt?

Weiterhin viel Spaß bei deiner Lektüre!

@ Erik: vielleicht erleidet der Wagen ohnehin das Schicksal typisch österreichischer Provisorien, die bekanntlich eeeeeeeewig halten...

Vielen Dank für deinen ermutigenden Kommentar!

Liebe Grüße

Karl

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Re: umgebauter Württembergischer Gepäckwagen, Inneneinrichtung

#2464

Beitrag von jzipp » Sa 12. Jan 2019, 11:44

HabedieEhre lieber Karl und auch dir noch einmal nachträglich alles Gute im neuen Jahr!
notbremse hat geschrieben:
Fr 11. Jan 2019, 17:24
.
Naja, auch ein bisschen „außen pfui“.

Wenn man die letzten beiden Fotos genauer Betrachtet und sich nicht von der Ladung ablenken lässt, werden am Wagenkasten Schrammen offenbar, die ich mit all der wochenlangen Spachtelei und Schleiferei einfach nicht in den Griff bekommen habe. Natürlich kann man sich auf ähnliche Schrammen beim Vorbild ausreden. Aber vielleicht baue ich später einmal wirklich einen völlig neuen Wagenkasten, wie von Adrian und Jürgen vorgeschlagen. [...]
Die technokratische Frage dazu wäre ja, wie groß sind Kratzer in 1:87 (ebenso wie eine Holzmaserung), aber wichtiger ist ja doch die Wirkung.

Bevor ich den oben zitierten Absatz in deinem letzten Beitrag gelesen hab, hab ich mir natürlich die Fotos angeschaut. Schon wie ich runtergescrollt hab, war ich auf den Wagenkasten gespannt. Und dann hab ich mir grad bei den letzten beiden Fotos gedacht, dass mir diese "kleinen Schrammen" außen eigentlich sehr sehr gut gefallen. Nun weiß ich nicht, wie das Wagenmodell in echt ausschaut, aber auf den Fotos wirken diese leichten Unebenheiten und Kratzer/Schrammen (beide Begriffe sind eigentlich zu hart) sehr realistisch und wie in echt, so wie bei älteren Wagen öfters anzutreffen: abgeblätterte Farbe und einfach drübergemalt. Es schaut tatsächlich nach vorbildgerechten Unebenheiten aus und nicht wie äh... naja, however, ich würd es auf jeden Fall so lassen.

Auch der angefüllte Innenraum gefällt mir sehr gut. Bravo, weitermachen! :wink: :D
Auf dass auch in 2019 wieder viel an deinem Fuhrpark aber auch an deiner Modellbahnanlage weitergeht.

Schöne Grüße
Jürgen
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Re: Österreich 1955 - Die Görtschitztalbahn

#2465

Beitrag von notbremse » Mo 14. Jan 2019, 17:00

Lieber Jürgen,

zunächst auch dir ein besonders schönes Neues Jahr und vielen Dank für deine beruhigenden Hinweise. Es deutet tatsächlich einiges darauf hin, dass ich mich wahrscheinlich ganz einfach an den Charme meiner Schrammen gewöhnen werde.

In echt wirkt der Wagen bei normaler Beleuchtung von schräg oben völlig unauffällig. Bei Beleuchtung im rechten Winkel oder tiefer dagegen schaut er völlig versaut aus. Da die Sonne bei uns aber hinter Bergen auf- oder untergehen muss, hat sie in unserer Gegend zwangsläufig keine realistische Chance, jemals so niedrig zu stehen.

Das wäre übrigens noch ein verlockendes Betätigungsfeld für die wirklich gründlichen Beleuchtungsfetischisten unter uns: die Sonne nicht einfach nur "untergehen" lassen, indem man den Beleuchtungswinkel und/oder die Farbe der Beleuchtung ändert, sondern auch die Schatten der Berge erzeugen und mit indirektem Licht eine richtige Dämmerung im Gebirge nachbauen...

Liebe Grüße

Karl
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Re: umgebauter Württembergischer Gepäckwagen, Inneneinrichtung

#2466

Beitrag von fbstr » Mo 14. Jan 2019, 19:28

notbremse hat geschrieben:
Fr 11. Jan 2019, 17:24
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Hallo Karl,

ich beobachte schon lange Deinen Thread, aber irgendwie habe ich nicht mitbekommen, dass Du auf Spur 1 gewechselt bist.




Ich finde die Ladung sensationell!
:gfm:
Gruss
Frank
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Re: Österreich 1955 - Die Görtschitztalbahn

#2467

Beitrag von notbremse » Do 17. Jan 2019, 16:36

Ups, mein Fehler. Ich vergaß dazuzuschreiben, das ist Maßstab 1:10.

:fool:

Spaß beiseite: danke für das nette Kompliment.

Liebe Grüße

Karl

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MODELU-Figuren

#2468

Beitrag von notbremse » Fr 18. Jan 2019, 13:45

.


Der Fluch der Akribik, Teil 259

BRITISCHER IMMIGRANT AUF DER GÖRTSCHITZTALBAHN



Wieder ist nix unterm Christbaum:

Bild


Null, nada, niente. Schau‘n wir uns halt in der Zwischenzeit an, was wir mit Harold machen. Harold ist nämlich gerade aus Großbritannien nach Österreich ausgewandert:

Bild


Um sich nicht dem Vorwurf der Migrationsunwilligkeit auszusetzen, hat er als erstes seinen auffälligen englischen Namen ändern lassen. Die Behörden haben rasch reagiert, er heißt jetzt Harald.

Harald ist eine Figur aus dem hervorragenden Angebot der britischen Firma MODELU aus Shrewsbury in der Gegend von Liverpool.

MODELU macht 3D-Scans von lebenden Personen und fertigt daraus 3D-Drucke in einer ganzen Reihe von Maßstäben an. Auch Wünsche nach Sondermaßen (z.B. für große Spuren in ungewöhnlichen Maßstäben) werden offenbar auf Anfrage erfüllt.

Die Figuren sind nicht ganz billig (je nach Größe 2 bis 10 Britische Pfund das Stück) und man muss eventuell ein wenig warten, weil MODELU mit „Printing on Demand“ arbeitet, d.h. die Figur wird erst hergestellt, wenn eine Bestellung einlangt. Dafür bekommt man Figuren in überzeugend natürlicher Körperhaltung – ohne hysterisch hochgerissene Arme, ohne im Sprung erstarrt zu sein. Bei den Lokmannschaften kann man sogar wählen, ob der Kopf nach rechts oder nach links gerichtet sein soll. Weiters haben die Miniatur-Menschen nicht ausnahmslos athletische Idealfiguren, sondern ab und zu auch ganz normale Bäuchlein - getreu dem englischen Sprichwort „Why sixpacks, when you can have the whole barrel?” (Wieso Sixpack, wenn man ein ganzes Fass kriegen kann?). Genau das also, was ich für meine Anlage haben will – authentische, entspannte Typen mit ganz normalem Körperbau.

MODELU beliefert übrigens auch das phantastische Pendon-Museum mit seinen aus Karton und Papier mit unglaublicher Akribie konkreten Vorbildern maßstabsgetreu nachgebildeten Gebäuden.
Etliche der MODELU-Lokpersonale, Landarbeiter, Industriearbeiter etc. passen auch auf deutsche oder österreichische Anlagen, so auch Harald.

Ausgepackt sieht Harald zunächst ein wenig so aus, als sei er gepfählt worden:

Bild


Das ist aber kein Grund zur Sorge. Diese fertigungsbedingten Pfähle sind mit einem Cutter schnell entfernt:

Bild


Wer sichergehen will, dass die Figur nicht an falscher Stelle beschädigt wird, nimmt allerdings besser eine feine Bastelsäge.

MODELU empfiehlt, die Figuren zu grundieren und mit „Ink“ (Tinte) zu bemalen, damit die feinen Details nicht zugedeckt werden. Mit "ink" ist hier allerdings ganz offensichtlich nicht wirklich eine Tinte gemeint, sondern eine Farbe mit Pigmenten so fein wie die einer Tinte. Man meint damit beispielsweise Valejo-Farben. Auch ich nehme eine stark verdünnte, in mehreren Schichten aufgetragene, Airbrush-taugliche Acrylfarbe, wenn auch von Revell. Ohne besonderen Grund, sondern einfach nur, weil mein örtlicher „Dealer“ keine andere Marke führt.

Der vormals württembergische Gepäckwagen hat inzwischen - nebst Türgriffen an den Stirnseiten und den hier recht untypischen, aber durchaus vorbildgerechten Zettelhaltern - eine typisch österreichische „Teppichklopfstange“ erhalten und schon lehnt sich Harald darauf:

Bild


Da man beim Verladen des Gepäcks recht schmutzig werden kann, hat Harald eine Arbeitsmontur an, eine sogenannte „Blaue“, die man bei uns so nennt, weil sie nicht selten - grau ist.

Harald wirkt recht zufrieden. Man hat nicht den Eindruck, dass er mit Unterstützung der Gewerkschaft dagegen vorgehen will, dass er bei mir nicht als „Loco Crew“ eingesetzt wird, sondern als Gepäckwagenvorlegestangenhalteraushilfsgehilfe.

:fool:

Langsam gewöhne ich mich an das Provisorium-Wägelchen. Im richtigen Winkel fotografiert, sieht es tatsächlich nicht so schlecht aus. Nun kommen noch ein paar recht zeitaufwändige Alterungsmaßnahmen, die Beschriftung und die Beleuchtung.

DIE BELEUUUUUCHTUUUUUUNG!!!!!

Hoffentlich hat das Christkind das gehört und nicht darauf vergessen. Ich räume jedenfalls vorsichtshalber den Christbaum weiterhin nicht weg.

Liebe Grüße

Euer Karl
Wer schnell fertig werden will, sollte nicht Modellbau betreiben, sondern sich mit losen Damen vergnügen...

Mein Projekt im Stummiforum: Österreich 1955 - Die Görtschitztalbahn

Bild

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Re: Österreich 1955 - Die Görtschitztalbahn

#2469

Beitrag von hubedi » Fr 18. Jan 2019, 15:10

Hallo Karl,

ein interessanter Link und Dein "Gepäckwagenvorlegestangenhalteraushilfsgehilfe" zeigt eindrucksvoll, was heute im 3D-Druck möglich ist. Angeblich kreieren die einschlägigen Hersteller ebenfalls nach lebenden Menschen und es sind zum Beleg bereits ganze Ensembles attraktiver Modells auf Ausstellungen gesichtet worden. Manchmal frage ich mich, wie lange diese lebenden Vorbilder geübt haben, bis sie ihre Glieder in die Modellkörperhaltungen verbiegen konnten. In letzter Zeit sind die dargestellten Figuren m.E. besser geworden und zeigen nicht mehr ganz so extreme Gesten.

Aber die engl. Figuren sind in ihrer Qualität offenbar nochmal eine ganze Liga besser als die gespritzten Kolleginnen und Kollegen. Ich habe gerade die Modelle in Spur N betrachtet, aber die Bilder könnten täuschen. Da die Darstellungen nicht mit dem jeweils eingestelltem Maßstab wechseln, vermute ich, es wird immer eine Figur aus einem größeren Mastab präsentiert.

Deine Szene wirkt sehr authentisch. Das liegt natürlich nicht nur an der Figur, sondern fast noch mehr an Deiner Bemalung. Die Revell-Acrylfarben verwende ich auch recht häufig und ich bin damit gut zufrieden. Ob die Unterschiede zwischen den Herstellern wirklich so groß sind ... ich kann für mich nur sagen, wenn es nicht klappte, lag es zumeist an mir statt an den Farben.

LG
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Re: Österreich 1955 - Die Görtschitztalbahn

#2470

Beitrag von reinout » Fr 18. Jan 2019, 22:25

Auch eine Holländische Händler hat solche echte Leute im Sortiment. Einige dieser Figuren sind Besucher einer holländische Modellbahnmesse wo er sie im 3D "fotografiert" hat :D

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Re: Österreich 1955 - Die Görtschitztalbahn

#2471

Beitrag von Vorarlberg-Express » Sa 19. Jan 2019, 18:44

Hallo Karl,
Wiederum ein großes Dankeschön für den tollen Bericht rund um die Ausgestaltung deines austrifizierten Württemberg Packwagens. Find ich genial..
Ebenso das Ladegut im Packwagen. Ich bin gespannt auf die Beleuchtung, ob dich das Christkind 2019 noch erhört :fool: ?

Viele Grüße

Gerhard

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Re: Österreich 1955 - Die Görtschitztalbahn

#2472

Beitrag von Vorarlberg-Express » Sa 19. Jan 2019, 18:47

reinout hat geschrieben:
Fr 18. Jan 2019, 22:25
Auch eine Holländische Händler hat solche echte Leute im Sortiment. Einige dieser Figuren sind Besucher einer holländische Modellbahnmesse wo er sie im 3D "fotografiert" hat :D

Reinout
Hallo Reinout,
Danke für den Link! Das sind mal andere Figuren und nette Details, die Firma kannte ich vorher nicht.

Schönes Wochenende

Gerhard

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Re: Österreich 1955 - Die Görtschitztalbahn

#2473

Beitrag von 2043er » Sa 19. Jan 2019, 19:15

Hallo Karl!

Die Figuren von ModelU sind wirklich empfehlenswert und verpassen deinem internationalem Modell den vorletzten Schliff. Ein Brite in einem deutschen Wagen tief im winterlichen Kärnten :fool:

Harald macht eine gute Figur und erinnert mich zugleich, dass bei mir im Regal auch noch weitere Personen auf Ihr Farbkleid warten... :oops:

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Re: Österreich 1955 - Die Görtschitztalbahn

#2474

Beitrag von notbremse » Do 24. Jan 2019, 15:58

@ Hubert: Auf der Website von MODELU wird gezeigt, wie die Aufnahmen entstehen - mit Hilfe von Besen und verschiedenen Böcken. Du musst allerdings ein Stück hinunterscrollen. Auch Preiser macht in dieser Hinsicht deutliche Fortschritte, du hast Recht. Bei kleineren Maßstäben wird die Detailtreue -werkzeugbedingt - nicht ganz so groß sein können, denke ich. Aber das kann man ja mit einer Probebestellung testen.

@ Reinout: danke für den Link!

@ Gerhard: wenn der Osterhase mithilft, wird es schon klappen.. :-)

@ Markus: nicht zu vergessen der schweizer Kinderwagen und der italienische Wein im Fass ganz hinten...

:fool:

Fast hätte ich auch "amerikanische Reifen" dazugeschrieben - aber auf denen steht eindeutig "Semperit" drauf. Ist mir beim Bemalen gar nicht aufgefallen...

:fool:

Liebe Grüße

Karl
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Re: MODELU-Figuren

#2475

Beitrag von MU5T4N6 » Do 24. Jan 2019, 16:38

Servus Karl,
notbremse hat geschrieben:
Fr 18. Jan 2019, 13:45
Harald ist eine Figur aus dem hervorragenden Angebot der britischen Firma MODELU aus Shrewsbury in der Gegend von Liverpool.

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Die Figur sieht ja unglaublich aus :shock: Ich habe gerade mal durch deren Sortiment gestöbert und das sind ja wohl so ziemlich die realistischsten Figuren, die ich bislang gesehen habe, danke für's Zeigen!
Gruß, Max

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